Verlegung von Stolpersteinen

In Darmstadt wird der Kölner Künstler Gunter Demnig am Montag, dem 15. März 2010 weitere 16 Stolpersteine verlegen.

Beginn der Verlegung in Darmstadt ist um 9.00 Uhr vor dem Haus Weyprechtstr. 16. Dort haben Anna Bessunger und ihr Bruder Ernst Bessunger gewohnt. Anna hatte sich am 26.3.1940 selbst getötet, ihr Bruder Ernst wurde am 3.6.1942 im Konzentrationslager Buchenwald erschossen.
Die nächste Station (ca. 9.15 Uhr) ist die Riedeselstr. 8. Hier lebte bis zu seiner Deportation 1943 der vormalige Innenminister Dr. Heinrich Fulda. Er wurde am 1.6.1943 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Am Wilhelminenplatz 4 (ca. 9.30 Uhr) lebte Eduard Wolfskehl. Er wurde am 12.6.1943 im sogenannten Arbeitserziehungslager in Frankfurt-Heddernheim ermordet. Weitere Stationen sind die Moosbergstr. 71 (ca. 10.00 Uhr), hier lebte Siegfried Weil, er wurde am 3.9.1943 im KZ Auschwitz ermordet. In der Jahnstr. 116 (ca. 10.15 Uhr) lebte Emmy Henkel, ermordet am 25.6.1943 im KZ Auschwitz. Schließlich die Jahnstr. 130 (ca. 10.30 Uhr), in der Dr. Ernst Meyer wohnte, ermordet am 19.6.1943 im „Arbeitserziehungslager“ Frankfurt-Heddernheim.
Erstmals in Darmstadt werden Steine für Überlebende der nationalsozialistischen Verfolgung verlegt. Erinnert wird damit an Wissenschaftler der Technischen Universität (früher TH). Sie wurden 1933 auf der Grundlage des nationalsozialistischen „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ aus dem Staatsdienst entlassen. Dies hatte zur Folge, dass Menschen „nicht arischer Abstammung“ ihre materielle Lebensgrundlage entzogen wurde.
Im Botanischen Institut der TH hatte der Biologe Dr. Walter Schwarz, später Dr. Michael Evenari, gearbeitet. Für ihn, der 1933 nach Palästina emigrierte, wird vor dem Botanischen Institut, Schnittspahnstraße, etwa um 11.00 Uhr ein Stein verlegt.
Gegen 11.15 Uhr folgt die Station Heidenreichstr. 4. Hier lebten Hedwig Juda und ihre Tochter Lise. Bei ihnen wohnte das Ehepaar Herzberg (s.u.) von 1930-35 zur Miete. Beide Frauen Juda flüchteten 1939 nach Frankreich, sie wurden 1942 von dort nach Auschwitz deportiert und ermordet. In der Soderstr. 112 (ca. 11.30 Uhr) lebte der Zahnarzt Dr. Emanuel Culmann, der am 30.5.1943 im „Arbeitserziehungslager“ Frankfurt-Heddernheim ermordet wurde.
Die letzte Station (gegen 11.45 Uhr) ist die Hochschulstr. 6. Vor dem Eingang zum Physikalischen Institut werden 5 weitere Steine für Wissenschaftler verlegt, die 1933 entlassen und zur Emigration gezwungen waren. Es sind dies die Physiker Dr. Gerhard Herzberg, der spätere Nobelpreisträger, und seine Frau, die Physikerin Dr. Luise Herzberg, Prof. Dr. Hans Baerwald, Dr. Kurt Lion und Stephan Gradstein.

Die steinernen Würfel mit dem Messingschild sollen an Menschen erinnern, die von den Nationalsozialisten verfolgt, in Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden.
Auf den Steinen stehen der Name, das Geburtsdatum, das Datum der Deportation und der Todeszeitpunkt im Konzentrationslager. In Darmstadt liegen bereits 136 solcher Steine. Für weitere 36 Namen gibt es schon Patenschaften.
Seit 1997 werden in Deutschland Stolpersteine verlegt. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt Gunter Demnig. Mit den Steinen werde die Erinnerung an die Menschen wieder lebendig. Weitere Informationen zu der Aktion unter www.stolpersteine.com.